Käthe Buchler
Fotografien zwischen Idyll und Heimatfront

Eine Ausstellung des Museums für Photographie Braunschweig und des Städtischen Museums Braunschweig in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Braunschweig

»Käthe Buchler. Fotografien zwischen Idyll und Heimatfront« – unter diesem Titel beleuchtet eine gemeinsame Ausstellung des Museums für Photographie Braunschweig und des Städtischen Museums Braunschweig das außerordentliche Werk der Braunschweiger Fotografin Käthe Buchler (1876-1930). Das Zusammenspiel von zwei zeitgleichen Präsentationen wird in besonderer Weise dem Charakter dieses Werkes gerecht, denn es zeigt die beiden Gesichter eines Zeitalters und einer bürgerlichen Biografie: Das Privatleben einer gebildeten, wohlhabenden Unternehmerfamilie einerseits und andererseits das soziale Engagement eben dieses Bürgertums in der Zeit des Ersten Weltkrieges.

Käthe Buchlers Fotografien spielten damals bereits eine öffentliche Rolle. Selbstbewusst und mit großem, technischem Geschick zeigte sie ihre Bilder auf Projektionsabenden. Beginnend mit Autochrome-Aufnahmen von 1913 setzte sie die öffentliche Präsentation ihrer Fotografien während des Krieges fort, nun ergänzt um Aufnahmen von Lazarettzügen und Spitalsälen, Abfall sammelnden Kindern und Frauen in den Berufen der abwesenden Männer. Daher gilt das Augenmerk der Ausstellung neben der privaten Funktion ihrer Familienbilder vor allem der öffentlichen Dimension ihrer in gleicher Weise künstlerisch wie auch sozialpolitisch intendierten Aufnahmen. Ausgehend von einem charakteristischen Element des Nachlasses, den vielen Diapositiven, werden Projektionen eine Hauptrolle in der Ausstellung spielen, unterlegt mit einem Originalton der Zeit.

Die Fotografien von Käthe Buchler, einer talentierten und ambitionierten Amateurfotografin im besten Sinne, sind hinsichtlich ihrer sozialen und kulturgeschichtlichen, wie auch ihrer fotohistorischen und ästhetischen Bedeutung zu verstehen und zu würdigen. Die ab 1914 entstandenen Schwarzweiß-Aufnahmen von Käthe Buchler dienten auch Zwecken der politischen und sozialen Agitation an der „Heimatfront“. Die Fotos von Sammelaktionen der AVG (Abfall-Verwertungs-Gesellschaft) zum Beispiel riefen zur Unterstützung des Vaterlandes in schwerer Zeit auf, die Darstellung der Pflege von Verwundeten oder die Serie der Frauen in Männerberufen gaben Beispiele für den „Dienst an der Heimatfront“. Sie appellierten an den Durchhaltewillen der Daheimgebliebenen. Gerade für die Fotografien und Projektionen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges gilt es, im Werk von Käthe Buchler diesen sozialen Gebrauch der Fotografie herauszuarbeiten. Hierauf liegt der Schwerpunkt des Ausstellungsteils im Museum für Photographie.

Ihre private Welt war für Käthe Buchler immer wieder Anlass fotografischer Aufnahmen, jedoch nicht nur zum Festhalten des Familienlebens im Sinne einer Chronik. Das familiäre Leben war auch Gegenstand und Motiv ihrer künstlerisch ambitionierten Fotografie, für die sie ab 1913 auch die Autochrome-Fotografie entdeckte. Dies zeigen die einfallsreichen Inszenierungen von Gruppen und Kinderbildern im Stil von Genredarstellungen oder der „Tableaux Vivants“. Die vielen Facetten dieser privaten Fotografie, vom klassischen Porträt über szenische Bilder hin zu einigen wenigen Schnappschüssen, werden im Zentrum des Teils der Ausstellung stehen, die im Städtischen Museum zu sehen sein wird – in Sichtweite der ehemaligen Buchlerschen Villa am Löwenwall.

Zur Ausstellung »Käthe Buchler. Fotografien zwischen Idyll und Heimatfront« erscheint ein Katalogbuch mit ausgewählten Fotoserien und begleitenden (foto-)historischen Texten, zusammen mit einem Nachdruck des vergriffenen Katalogs zur Ausstellung »Die Welt in Farbe. Käthe Buchler – Autochrome 1913 bis 1930« aus dem Jahr 2006.

 

Ausstellungsorte

Museum für Photographie Braunschweig
Helmstedter Straße 1
38102 Braunschweig
Di – Fr 13 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Städtisches Museum Braunschweig
Steintorwall 14
38100 Braunschweig
Di – So 10 – 17 Uhr

Eintrittspreis
4 Euro / ermäßigt 2 Euro (für beide Museen)