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Bild des Monats November 2006
Man Ray (1890 - 1976): Palais à quatre heures, 1932-33

„Man Ray zu kennen, heißt die Ära der Moderne zu kennen. Er war der Inbegriff des avantgardistischen Geistes, der Experimentator par excellence.“ (Janus)
Man Ray wurde 1890 in Philadelphia als Emmanuel Rudnitzky geboren und gilt als einer der bedeutendsten und vielseitigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Eng mit Marcel Duchamp befreundet, machte er sich einen Namen in der New Yorker Dada-Bewegung und ging Anfang der 20er Jahre nach Paris, um zu einer der zentralen Figuren in der von André Breton gegründeten Surrealisten-Gruppe zu werden.
Obwohl er sich auf vielen künstlerischen Gebieten wie Malerei, Bildhauerei und Film betätigte, wurde die Fotografie zu einem zentralen Thema. Man Ray steuerte mehrere technische Innovationen bei wie die „Rayographie“ (ein Fotogramm oder kameraloses Foto) sowie die Technik der „Solarisation“, bei der das belichtete Fotopapier vor der Fixierung kurzfristig dem Tageslicht ausgesetzt und so ein Corona-Effekt erzeugt wird. Gleichzeitig erlangte er Berühmtheit durch seine Portraits von Künstlern und anderen Vertretern des kulturellen Lebens. Man Ray starb 1976 in Paris.
Die Photographie “Palais à quatre heres” ist nicht nur eine Porträtfotografie, sie zeigt gleichzeitig das frühe, gleichnamige Hauptwerk des mit Man Ray befreundeten surrelalistischen Bildhauers Alberto Giacometti. Die im Bild zu sehende ursprüngliche Gipsfassung wurde schon früh zerstört und ist nur durch Man Rays Bild dokumentiert.
Im Dunkel dahinter lehnen sich zwei Frauen aneinander und blicken selbstbewust durch die leuchtend-weißen Streben der Skulptur wie durch ein Fensterkreuz. Bei der linken Person handelt es sich um Alice Prin, die von den Pariser Bohémiens Kikki de Montparnasse genannt wurde. Sie war Modell, Muse, Nachtclub-Sängerin, Schauspielerin und eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Paris der 20er und 30er Jahre. Von 1922-1926 war sie Man Rays Lebensgefährtin.
Man Ray spielt in seiner Fotografie mit der Wahrnehmung des Betrachters, denn er lässt den Raum, in dem sich Skulptur und Porträtierte befinden, durch den Anschnitt der Skulptur im Unklaren. Die „Streben“, aus denen sich Giacomettis Arbeit zusammensetzt, führen den Blick immer wieder über die im Vordergrund befindliche Skulptur. Dabei lenken sie den Blick von den Gesichtern der Frauen ab und führen gleichzeitig zu ihnen zurück. Ständig springt das Auge beim Betrachten der Photographie zwischen Vorder- und Hintergrund, zwischen Porträt und Skulptur hin und her. Auf diese Weise regt Man Ray den Blick zu einer dauernden Bewegung an, die uns seine Fotografie immer neu erfahren lässt.
Die Reihe „Bild des Monats“ wird unterstützt von:
Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
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